Die Dojo-Etikette bezeichnet die Verhaltensregeln, die in jedem Trainingsraum herrschen, in dem Budo praktiziert wird. Die Etikette ist ein sehr wichtiger Leitfaden für Schüler und Meister, denn nur die Entwicklung von Höflichkeit und Respekt ermöglicht uns ein positives Erlernen der Selbstverteidigung. Parallel zum Budo Training lernen die Schüler, wie man sich anderen Schülern gegenüber und wie man sich einem Meister gegenüber zu verhalten hat. Wenn man Budo erlernen möchte ist es unumgänglich sich diesen Verhaltensweisen zu unterwerfen. Denn mit der Zeit wächst das Können jedes Schülers und somit auch die Verantwortung, die jeder trägt, der weiß, wie man einem anderen Menschen ernsthafte Verletzungen zuführen kann. Das ist der Grund warum die Regeln der Etikette im Dojo höchste Priorität haben.

Die Etikette ist eine alte japanische Tradition in der man seinem Gegenüber durch Gesten und Körpersprache Respekt vermittelte um ohne Worte seine Friedvolle Absicht zu demonstrieren.

 


 

Die Verbeugung

 

Die Verbeugung beim Betreten der Halle bedeutet, dass wir die Verhaltensweisen die wir im täglichen Leben an den Tag legen, hinter uns lassen und uns den im Budosport üblichen Verhaltensweisen unterwerfen.

Vor Beginn des Trainings, wenn Meister und Schüler sich voreinander verbeugen, soll das den gegenseitigen Respekt, den sich beide Seiten entgegenbringen, ausdrücken. Es bedeutet weiterhin, dass die fachliche Qualifikation des Meisters anerkannt wird und seine Anweisungen befolgt werden.

Die Verbeugung vor dem Partner, mit dem wir gerade trainieren oder mit dem wir trainiert haben, bedeutet, dass wir ihn als Person achten und respektieren. Daraus folgt, dass wir ihn im Training nicht verletzen wollen, sondern mit ihm zum Zweck des beiderseitigen technischen und geistigen Fortschritts trainieren.

 


 

Die Abgrüßung

 

Vor Beginn des Trainings sitzen alle Schüler und Meister ab um durch die Abgrüßung den Alltagsstress mithilfe einer kurzen traditionellen Meditation abzulegen um sich auf das bevorstehende Training vorzubereiten. Nach Beendung der Meditation durch den Meister gibt der ranghöchste Schüler das Kommando um erst den Trainer und dann alle Schüler untereinander willkommen zu heißen. Nach dem Training findet dieselbe Zeremonie statt, mit dem Unterschied, dass da das Training noch mal in Gedanken Revue passiert werden soll.  

 


 

Die Aufgaben

 

Während des Trainings sollen die Schüler ruhig und konzentriert an den gestellten Aufgaben arbeiten und nicht reden oder sich die neuesten Witze aus dem Fernsehen vom Vorabend erzählen. Bei Fragen steht der Meister gerne zur Verfügung, um eventuelle Probleme zu beseitigen.

Wenn der Schüler von dem Meister eine Aufgabe zugewiesen bekommt, soll er sie solange weiter ausüben, bis ihm der Meister eine neue Aufgabe zuweist. Selbst wenn es dem Schüler langweilig werden sollte, so soll er durch weiteres üben an dieser "langweiligen Technik" seinen Willen schulen. Außerdem sollte er seinem Meister vertrauen, den Fortschritt des Schülers zu sehen und auch richtig zu beurteilen. Der Meister kann es besser beurteilen, ob die Technik des Schülers schon so gut ist, dass er eine andere Technik üben kann oder nicht.

Im Training soll mit Disziplin und Selbstdisziplin der Schüler gefordert und gefördert werden.

 


 

Das Verlassen des Dojos

 

Wenn der Schüler aus welchen Gründen auch immer das Dojo verlassen muss, so geht er zum Meister, macht eine Verbeugung und wartet, dass ihn der Meister anspricht. Sollte der Meister mit anderen Schülern oder Schwarzgurten in einem Gespräch sein, so soll der Schüler warten, bis das Gespräch zu Ende ist oder bis der Meister ihn anspricht. Der Schüler sollte  in einem Abstand zum Meister stehen, so dass er das Gespräch nicht mithören kann.

 


 

Die Pünktlichkeit

 

Das Training beginnt pünktlich zur angesetzten Zeit. Ist der Meister zum Zeitpunkt des Trainingsbeginns noch nicht in der Halle, so beginnt der ranghöchste Schüler mit dem Aufwärmtraining, bis der Meister kommt. Diesem Schüler ist derselbe Respekt wie dem Meister entgegenzubringen. Auch in diesem Falle sollte sich die Gruppe nicht in eine lärmende Horde verwandeln sondern konzentriert an den ihr gestellten Aufgaben arbeiten.

Sollte ein Schüler einmal zu spät kommen, so meldet er sich mit einer Verbeugung beim Meister an. Anschließend soll sich der Schüler selbständig durch die Abgrüßung konzentrieren, aufwärmen und dann in das allgemeine Training einordnen.

 


 

Die Ordnung und Sauberkeit

 

Da man bei der Erlernung von Budo Sportarten mit seinem Partner oft in engem Kontakt trainiert, schreibt die Dojo-Etikette vor, sich vor dem Training kurz frisch zu machen. Dabei sollten auch die Fingernägel gereinigt werden um Entzündungen von eventuellen Kratzern vorzubeugen, die im Training entstehen können. Auch die Trainingskleidung sollte sauber und ordentlich sein.

 


 

Die Trainingskleidung

 

Der Schüler kommt mit der korrekten Trainingskleidung pünktlich zum Training. Die Trainingskleidung besteht aus einem Budo-Gi (Kimono) in den Farben schwarz oder weiß. Es ist auch erlaubt diese beiden Farben zu kombinieren oder eine rote Arnis-Hose zu tragen.

Sollte es im Sommer einmal richtig heiß sein, hat der Schüler trotzdem mit der Jacke ins Training zu kommen um die traditionelle Abgrüßungszeremonie mitzumachen. Wenn es der Meister erlaubt kann innerhalb der Trainingszeit auch die Jacke durch ein T-Shirt ersetzt werden, jedoch muss man sich zur Abgrüßung nach dem Training wieder ordnungsgemäß kleiden.

 


 

Die Unklarheiten

 

Der Schüler sollte sich beim Meister über eventuelle Unklarheiten in der Aufgabenstellung oder in der Technik erkundigen um so die Aufgabenstellung besser lösen zu können. Man denke an den alten Satz: "Es gibt keine dummen Fragen, sondern nur dumme Antworten!"

Die Dojo-Etikette ist nicht nur im Training, sondern auch bei Lehrgängen, Seminaren, Wettkämpfen oder Prüfungen zu praktizieren. Darüber hinaus sollte man einige dieser Verhaltensregeln auch mit nach Hause nehmen um sie ins tägliche Leben einzubringen. Denn durch Fleiß, Hilfsbereitschaft, Verantwortung und innere Haltung erlangt man ein friedlicheres Leben. Alles was man gibt bekommt man in irgend einer Weise auch wieder zurück. Möchte man Gutes muss man Gutes geben.

 

 

 

 

 

 

 

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